Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind ... oder C&R Project mit einer Mega-Super-Sonder-Sendung. Wir wollen Euch an Heiligabend nicht alleine mit der nervigen Verwandtschaft, dem fettigen Essen und den sinnlosen Geschenken lassen.
Deswegen sind DJ Richie und Crazy DeeJay am 24.12.2009 ab 21 Uhr on Air!
Musiktechnisch ist für jeden etwas dabei, aber Achtung: man sollte diese Sendung evtl. zensieren ...
Hört einfach selber rein und lasst uns froh und munter sein ...
Die fünfköpfige Alternative Rockband Blue October aus Houston, Texas ist seit 1995 aktiv und kann bis dato auf fünf Studio- und zwei Live-Alben zurückblicken. Ihr aktuelles Werk „Approaching Normal“, das jetzt in Deutschland veröffentlicht wurde, erblickte in den USA bereits im März dieses Jahres das Licht der Welt. Der Longplayer knackte die Top 20 der Billboard Charts und setzt damit den mit „Foiled“ (04/2006) begonnenen Siegeszug – Blue October erhielten eine Platinauszeichnung für mehr als eine Million verkaufte Einheiten – fort.
Mit „Approaching Normal“ wird der Hörer in die gute alte Zeit zurückversetzt, als der Alternative Rock noch frisch war, eine Bedeutung hatte und in den weltweiten Charts eine gewichtige Rolle spielte. Letzteres können und wollen auch Blue October. Mit der Finanzkraft ihres Majorlabels leisteten sich Justin Furstenfeld (Gesang, Gitarre), Ryan Delahoussaye (Geige, Keyboards, Gesang), Charles Britton „C.B.” Hudson III (Gitarre), Matt Noveskey (Bass) und Jeremy Furstenfeld (Schlagzeug) keinen Geringeren als Steve Lillywhite (u.a. Dave Matthews Band, U2, Morrissey, Simple Minds) als Produzenten, der aus ihren Songs ein Höchstmaß an Energie, Emotionen, Atmosphäre und künstlerischem Handwerk, aber auch – und das gilt es nicht zu verschweigen! – Kommerzialität herausholte, ohne das Gesamtergebnis zu verwässern.
Denn genau darin besteht die Kunst: Künstler auf der einen Seite massentauglich klingen zu lassen, ohne ihnen die Identität zu rauben und auf der anderen Seite nicht an den gewachsenen Fundamenten der Rockmusik zu rütteln. Eben dieser Spagat wir auf „Approaching Normal“ sehr gut gelöst, wobei Blue Octobers Trumpf in erster Linie aus der atemberaubenden Stimmleistung von Sänger und Songschreiber Justin Furstenfeld besteht, der die sehr persönlich gefärbten Texte mit Leidenschaft und Wut, aber auch einfühlsam und fast schon zart singt. Diese Gabe, stimmlich derart zu fesseln, besitzen wahrlich nicht viele Sänger und Furstenfeld setzt sie auf Gänsehaut erzeugende Art ein.
So beginnt der Opener „Weight of the world” mit Sirenengeheul und einem düsteren Spoken-Word-Part, der nichts Gutes erahnen lässt. Und richtig: Schon bald platzt es wie ein Vulkanausbruch aus dem Sänger heraus und die Gitarren bohren sich stürmisch in die Magengrube. Besser war Alternative Rock auch vor 15 Jahren nicht! Und deshalb bleiben Blue October am Ball und legen mit „Say it“ und „Dirt room“ rockig nach, ehe mit „Been down“ und „My never“ das Balladenfach bedient wird, wobei „My never“ schon verdächtig nah an der Kitschgrenze vorbeisegelt. Das sind dann die Momente, in denen Blue October polarisieren. Und davon haben sie noch einige mehr in petto. Denn Songs wie „Should be loved“, „Kangaroo cry“, „Picking up pieces“ und „Jump rope“ sind natürlich viel mehr Pop als Rock, aber dafür nun mal mit faszinierenden Melodien gesegnet, weshalb sie an die großen Zeiten der Counting Crows gemahnen.
Mit dem finalen Bonus Track „The end“ schließt sich der Reigen, denn erst hier kehren Blue October zum energischen Rocksound der ersten drei Songs zurück. Bis dahin hat der Hörer eine intensive Hör- und Sinnesreise hinter sich, die bei Kritikern durchaus für Probleme sorgen könnte. Für ein Rockalbum ist „Approaching Normal“ nämlich über weite Strecken zu sanft und poppig, wären da nicht vier Songs, um die sich viele Rockbands in den Neunzigern, aber auch heute, hauen würden. Da bleibt am Schluss nur eins: CD kaufen und selber rausfinden, ob es einem gefällt.
Sonderlich innovativ klingt das Konzept der Baseballs zunächst nicht: Man nehme eine Handvoll bereits erfolgreicher Hits und kleide sie in handgemachten Rock'n'Roll-Style der fünfziger Jahre. Gelangweilt mag man abwinken, doch wie smart, lässig und versiert gehen die drei Berliner mit ihren Covers um!
Gut, Rihannas "Umbrella" warf einen auch im Original nicht um, doch dann erhöhen The Baseballs die Oktanzahl und rocken eine mitreißende, umwerfende Version des Plain White T's-Songs "Hey There Delilah". Spätestens bei "Bleeding Love" von Leona Lewis folgt der zittrige Hörer-Griff zur Packung Tempo-Taschentücher.
Von lieblosem und nur vordergründigem Stil-Überstülpen keine Spur - dafür gehen die drei Jungs einfach zu glaubwürdig, zu beherzt und zu beseelt an die Sache. Das Schlagzeug pumpt, der Kontrabass wirbelt: keine Frage, hier sind wir zurück im guten alten Heartbreak Hotel.
Aufmachung und Feeling stimmen, beim Gesang ist die Liebe zu Elvis, Gene Vincent und Eddie Cochran spürbar, und musikalisch macht das sowieso den Eindruck, als ob The Baseballs versehentlich in den Fünfzigern tiefgefroren und just heute wieder frisch aufgetaut wurden. Brian Setzer hätte seine helle Freude an den mittzwanziger Jungs.
Einen weiteren tiefen Griff in die Herzkiste tätigt die Band mit ihrer Interpretation der Pussycat Dolls-Nummer "Don't Cha". Eingespielt als live gefärbte Aufnahme, verleiht eine charmante weibliche Stimme dieser Umsetzung das besondere Extra. Wohlige Remember Roy Orbison-Stimmung macht sich breit.
An (nicht bierernstem) Selbstbewusstsein mangelt es den Berlinern nicht: Ihre Art der Cover-Bearbeitung benennen sie mit "Voc'n'Roll", und erläutern ergänzend: "Wir nehmen gute Songs und führen sie ihrer wahren Bestimmung zu." So trägt also Katy Perry heute Petticoat ("Hot'n Cold"), und Maroon 5 bekommen Schmalztolle und Koteletten verpasst ("This Love").
Robbie Williams' "Angels" tanzen auf drive-geladenen Rockabilly-Wolken, und der Fifties-Swing für Beyoncés Charts-Kracher "Crazy In Love" steht dem Song tadellos. Als Abschluss erfolgt ein tiefer Griff in die Schweden-Kiste von Roxette: "The Look" zeigt sich bestens aufpoliert und effektiv geschminkt.
The Baseballs sollten indes nicht den Fehler begehen, in Zukunft ihr Debüt-Konzept totzubraten - das haben sie, was musikalisches und gesangliches Können betrifft, auch gar nicht nötig. Ab in die Milchbar, Schulhefte raus und eigene Songs schreiben, das muss die Devise für die Zukunft sein. Bis dahin also: See You Later, Alligator!